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Der Elefantenrüssel im Mosaik

MosaikIC 1396Sternwarte
Der Elefantenrüssel, eine dunkle Staubwolke mit rot glühendem Rand vor einem Sternfeld

Im Sternbild Kepheus, hoch im Norden, hängt eine dunkle Wolke, die aussieht wie der Rüssel eines Elefanten. Sie gehört zu einem großen Nebel namens IC 1396. Das Bild oben ist ein Zwischenstand aus meiner Sternwarte in Vaale. Es besteht aus mehreren Stunden Belichtungszeit. Die Bilder sind so gedreht, dass der Rüssel nach oben zeigt. Am Himmel liegt Norden dadurch teils unten.

Was diesen Nebel besonders macht

Der Rüssel leuchtet nicht selbst. Er ist ein Schatten: eine dichte Wolke aus kaltem Gas und Staub, die das Licht des Nebels dahinter verschluckt. Sie ist rund 20 Lichtjahre lang.

Der rote Rand an ihrer Spitze ist dagegen echtes Leuchten. Mitten im Nebel steht ein sehr heißer, bläulicher Stern. Seine Strahlung trifft auf die Wolke, bringt das Gas an der Oberfläche zum Glühen und trägt sie dabei langsam ab. Man sieht also einen Kampf zwischen Stern und Wolke, der Jahrmillionen dauert.

Im Inneren der Wolke entstehen nach Messungen im Infrarotlicht neue Sterne. In meinem Bild ist im Kopf des Rüssels ein kleiner roter Fleck zu erkennen. Was genau er ist, kann ich daraus nicht sagen. Aber der Rüssel ist ein Ort, an dem gerade etwas anfängt.

Zwei Farben, die der Nebel selbst malt

Gas, das von einem Stern angestrahlt wird, leuchtet nicht in allen Farben, sondern nur in ganz bestimmten. Wasserstoff sendet ein tiefes Rot aus, Wasserstoff-Alpha oder kurz Ha (Wellenlänge 656 Nanometer). Sauerstoff strahlt blaugrün (OIII, 501 Nanometer).

Mein Filter, ein Optolong L-eXtreme, lässt genau diese beiden Farben durch und blockiert fast alles andere, auch das Licht von Straßenlaternen, Mond und dem allgemeinen Himmelsglühen. Dadurch tritt der Nebel auch am nicht ganz dunklen Himmel hervor. Dafür bekomme ich keine natürlichen Farben, sondern genau diese zwei.

Meine Kamera hat winzige Farbfilter vor den Pixeln, rot, grün und blau. Trennt man die drei Kanäle, zeigt sich, was vom Nebel in welcher Farbe ankommt:

Rotkanal: der Rüssel mit hellem Rand
Rot: Wasserstoff. Der Rand glüht, der Nebel ist zu sehen.
Grünkanal: fast nur die dunkle Silhouette
Grün: Sauerstoff. Kaum Nebel, nur der Schatten.
Blaukanal: fast nur die dunkle Silhouette
Blau: ebenfalls Sauerstoff.

Hier sieht man, warum IC 1396 so rot wirkt: Es kommt fast nur Wasserstoff-Licht an. Im grünen und blauen Kanal bleibt vom Nebel wenig übrig, und der Rüssel zeichnet sich nur als dunkler Umriss ab.

Warum zwölf Felder

Mein Teleskop zeigt nur einen kleinen Himmelsausschnitt, 56 mal 37 Bogenminuten. Das ist gut doppelt so breit wie der Vollmond und eine feine Auflösung für die Details am Rüssel. Der ganze Nebelkomplex ist aber mehr als vier Vollmonde breit.

Ich könnte ein Objektiv mit weniger Brennweite nehmen und alles auf ein Bild bekommen, dann wären die Feinheiten am Rand des Rüssels nur noch ein paar Pixel groß. Ich gehe den umgekehrten Weg: viel Detail, dafür zwölf Teilbilder in vier Spalten und drei Reihen, die ich hinterher zusammensetze.

Fünf davon sind fertig. So sieht der Zwischenstand aus, stark aufgehellt, damit der Staub sichtbar wird:

Mosaik aus fünf Feldern, oben der Elefantenrüssel, dazu dunkle Staubwolken und rötliche Nebel
Zwischenstand: fünf von zwölf Feldern, L-eXtreme. Die schwach sichtbaren Nähte zwischen den Feldern gleiche ich noch an. Der Rüssel sitzt am unteren Rand, der Nebel geht dort weiter. Die fehlenden Felder kommen in den nächsten klaren Nächten dazu.

So sieht ein einzelnes Bild aus

Jedes Feld besteht aus vielen Einzelaufnahmen zu je fünf Minuten. Ein einzelnes davon sieht so aus, nur aufgehellt:

Einzelaufnahme von fünf Minuten mit schwach sichtbarem Rüssel unten links, viel Rauschen
Eine einzelne Fünf-Minuten-Aufnahme. Der Rüssel ist unten links zu erahnen, das Körnige ist Rauschen.

Das Rauschen mittelt sich heraus, wenn man viele solcher Bilder übereinanderlegt. Bisher sind es für die fünf fertigen Felder gut 110 Aufnahmen, zusammen gut neun Stunden Belichtungszeit, verteilt auf drei Nächte. Dazwischen liegen Wolken, Vollmond und Wochen, in denen nichts geht.

Wie es weitergeht

Als Nächstes kommen die übrigen sieben Felder an die Reihe. Danach rechne ich alles zu einem Bild zusammen und zeige es in der Astro-Galerie. Wie die Nächte dazwischen aussehen, kannst du jederzeit auf der Allsky-Kamera ansehen.