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Sidequest: Planeten

PlanetenTechnik
Der Planeten-Kamerazug auf dem Tisch: links die blaue ToupTek-Kamera, dann der Dispersionskorrektor mit rotem Skalenring, die Celestron-Barlowlinse und rechts die Adapter zum Teleskop

Meistens fotografiere ich hier Nebel und Galaxien. Das heißt: schwache Objekte, Belichtungen von fünf Minuten, viele Stunden pro Bild. Planeten sind das genaue Gegenteil. Sie sind hell, winzig und die eigentliche Aufnahme dauert Sekunden. Dafür braucht es andere Technik, und die liegt jetzt auf meinem Tisch. Ein Nebenprojekt, eine Sidequest.

Der erste Versuch

Ganz neu ist das Thema nicht. Im Januar 2025 habe ich Jupiter schon einmal aufgenommen, mit meiner normalen Kamera, der ZWO ASI071MC Pro. In SharpCap habe ich dafür nur einen Ausschnitt von 1600 × 1200 Pixeln ausgelesen. Ein Video aus dieser Nacht hat 285 Einzelbilder in 25 Sekunden: 87 Millisekunden pro Bild, 11,5 Bilder pro Sekunde.

Für Nebel ist die Kamera gut. Für Planeten passt sie nicht. Die Luft über dem Teleskop ist ständig in Bewegung, und das Bild eines Planeten wabert im Takt von wenigen Millisekunden. Bei 87 Millisekunden steckt in jedem Einzelbild schon eine ganze Menge dieser Bewegung, und feine Details verschwimmen. Dazu sind die Pixel der ASI071 mit 4,78 µm groß, ein Planet bleibt darauf ein kleines Scheibchen.

Lucky Imaging

Planetenfotos entstehen anders als Nebelbilder. Man nimmt ein Video mit tausenden sehr kurzen Einzelbildern auf. In manchen Momenten ist die Luft zufällig ruhig, und genau diese Bilder sind scharf. Ein Programm wie AutoStakkert sucht die besten heraus und rechnet sie zusammen. Das nennt sich Lucky Imaging. Je kürzer die Belichtung und je mehr Bilder pro Sekunde, desto mehr Glückstreffer.

Eine Sache habe ich beim Mond gelernt: Lange Serien helfen nicht. Damals habe ich Einzelbilder über gut zwei Minuten verteilt aufgenommen. Die ersten 26 Sekunden waren sauber, die ganze Serie zusammen war verschmiert, weil sich die Luft in der Zwischenzeit verändert hatte. Lieber mehrere kurze Videos als ein langes.

Der Aufbau

Auf dem Foto liegt der Kamerazug von rechts nach links, so wie das Licht durch ihn läuft.

Teleskop: 8-Zoll-SCT ohne Reducer

Für Nebel sitzt am Celestron 8" ein Reducer. Er verkürzt die Brennweite auf 1440 mm und macht das Bildfeld größer. Für Planeten brauche ich das Gegenteil, also kommt der Reducer heraus. Dann arbeitet das Teleskop mit seiner vollen Brennweite von 2032 mm bei f/10.

Celestron X-Cel LX Barlow 2×

Die Barlowlinse verlängert die Brennweite noch einmal auf rund 4000 mm, f/20. Der Planet wird damit auf dem Sensor doppelt so groß.

Dispersionskorrektor (ADC)

Die Lufthülle wirkt wie ein schwaches Prisma. Sie bricht blaues Licht etwas stärker als rotes. Ein tief stehender Planet bekommt dadurch einen blauen Saum an der einen Seite und einen roten an der anderen, und die Farbkanäle liegen nicht mehr übereinander. Das kostet Schärfe.

Hier oben auf 54 Grad Nord stehen die Planeten oft niedrig. Saturn kommt derzeit kaum über 40 Grad Höhe. Der ADC enthält zwei Prismen, die man gegeneinander verdreht, bis sie den Farbfehler der Luft gerade aufheben. Die rote Skala zeigt dabei den Winkel an. Je tiefer der Planet steht, desto weiter muss man die Prismen auseinanderdrehen.

ToupTek G3M678C

Die blaue Kamera links ist eine reine Planetenkamera. Sie hat einen Sony-IMX678-Farbsensor mit 3840 × 2160 Pixeln von je 2,0 µm. Das Ausleserauschen ist sehr gering, und mit einem kleinen Ausschnitt liefert sie hunderte Bilder pro Sekunde. Eine Kühlung hat sie nicht. Das braucht sie auch nicht, weil bei Belichtungen von wenigen Millisekunden kaum Wärmerauschen entsteht.

Ein bisschen Rechnen

Bei 2032 mm Brennweite und 2 µm Pixeln deckt ein Pixel 0,20 Bogensekunden am Himmel ab. Mit der Barlow sind es 0,10 Bogensekunden. Jupiter misst rund 45 Bogensekunden, mit Barlow wird er also gut 400 Pixel breit.

Ob das sinnvoll ist, entscheidet am Ende die Luft. Ein 8-Zoll-Teleskop kann theoretisch Details bis etwa 0,6 Bogensekunden trennen. Für 2-µm-Pixel ist f/10 nach der üblichen Faustregel schon fast passend, f/20 tastet deutlich feiner ab, als die Optik auflösen kann. Ich werde deshalb beides ausprobieren: mit und ohne Barlow.

Wie es weitergeht

Der Aufbau ist fertig, die erste Nacht am Teleskop steht noch aus. Dafür brauche ich keinen dunklen Himmel, sondern ruhige Luft, und die ist bei uns im Norden selten. Wenn es klappt, schreibe ich hier, wie Jupiter mit der neuen Kamera aussieht.

Clear skies,

Marcus