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Einstieg in die Deep-Sky-Fotografie: Was du wirklich brauchst

GrundlagenEinsteiger

Nebel, Galaxien und Sternhaufen sehen auf Bildern aus wie aus einer anderen Welt, und viele halten das für unerreichbar. Ist es nicht. Ich fotografiere seit 2012 den Himmel, mein erstes eigenes Teleskop kam 2017, und vieles, was ich heute weiß, habe ich in kalten Nächten gelernt. Hier steht, was ich Einsteigern raten würde, in der Reihenfolge, in der es wirklich zählt.

Warum Deep-Sky anders ist

Die Objekte sind schwach. Das Licht, das von einem Nebel bei dir ankommt, reicht nur dann für ein Bild, wenn die Kamera es lange sammelt. Eine einzelne Aufnahme dauert bei mir meist fünf Minuten, und davon brauche ich viele. Hinterher werden die Einzelbilder übereinandergelegt, das nennt man Stacken. Dabei mittelt sich das Rauschen heraus, und der Nebel tritt hervor. Mehr Belichtungszeit heißt fast immer: ein besseres Bild.

Was du brauchst

Wichtiger als die einzelnen Teile ist die Reihenfolge, in der du sie anschaffst.

  • Eine stabile, nachführende Montierung. Sie ist das Wichtigste. Der Himmel dreht sich, und die Montierung muss ihm minutenlang folgen, ohne zu wackeln. Eine gute Montierung mit einem einfachen Teleskop schlägt ein gutes Teleskop auf einer wackligen Montierung.
  • Eine Optik, die nicht zu viel will. Für den Anfang reichen ein kleines Teleskop oder ein Teleobjektiv. Lange Brennweiten sind anspruchsvoll, denn jede Unruhe in Montierung und Luft sieht man sofort. Ich arbeite mit 8 Zoll und 1.440 mm Brennweite, aber das ist nichts für den ersten Abend.
  • Eine Kamera. Eine gekühlte Astrokamera ist ideal, weil sie weniger rauscht. Es geht aber auch mit einer normalen Systemkamera. Ich nutze eine gekühlte Farbkamera, die ZWO ASI071MC Pro.
  • Einen Computer mit der richtigen Software. Die Aufnahme steuere ich mit N.I.N.A., PHD2 überwacht die Nachführung, und ASTAP findet heraus, wohin das Teleskop gerade schaut. Alles kostenlos. Die Übersicht mit Links steht auf der Seite Tools für Astrofotos.
  • Dunklen Himmel, Geduld und warme Kleidung. Das Letzte unterschätzt man am häufigsten.

So läuft ein Abend

  1. Aufbauen und die Montierung grob nach Norden ausrichten. Bis 2023 war das bei mir jedes Mal der erste Schritt, heute steht alles fest in der Sternwarte.
  2. Das Teleskop auskühlen lassen und scharf stellen. Ein unscharfer Stern verdirbt jedes Bild, nimm dir dafür Zeit.
  3. Das Ziel anfahren und per Plate-Solving exakt mittig einstellen. Dabei vergleicht die Software dein Bild mit einer Sternkarte und rechnet aus, wohin das Teleskop zeigt.
  4. Das Nachführen starten. Ein zweites kleines Fernrohr mit eigener Kamera beobachtet einen Stern und korrigiert die Montierung ständig. Das nennt man Guiding.
  5. Belichten: eine lange Serie von Einzelbildern, jedes ein paar Minuten. Schau zwischendurch nach, ob der Fokus noch stimmt, denn bei sinkender Temperatur wandert er.
  6. Kalibrierbilder aufnehmen. Flats gleichen Staub und dunkle Ränder aus, Darks und Bias gleichen das Sensorrauschen aus.

Und danach

Aus den Einzelbildern wird in der Software ein Summenbild. Ich nutze dafür PixInsight: kalibrieren und stacken, Hintergrundverläufe entfernen, Farben abgleichen, strecken (die Helligkeit so verschieben, dass der Nebel sichtbar wird) und das Rauschen reduzieren. Was ich dafür einsetze, steht ebenfalls bei den Tools.

Typische Anfängerfehler

  • Zu wenig Sorgfalt beim Fokus. Lieber zweimal nachsehen.
  • Zu früh zu viel Brennweite. Fang weitwinkliger an, da verzeiht die Technik mehr.
  • Zu kurz belichtet. Eine Stunde Gesamtbelichtung ist ein Anfang, für ein ordentliches Bild brauchst du eher mehrere Stunden.
  • Tau und Feuchtigkeit unterschätzt. Gerade im Norden ist das ein Dauerthema.
  • Das Wetter nicht im Blick gehabt. Wie es bei mir gerade am Himmel aussieht, zeigt die Allsky-Kamera.

Fang klein an, mit etwas Hellem wie dem Orionnebel oder der Andromedagalaxie, und steigere dich.

Clear skies,

Marcus